Der Bezirksverein für soziale Rechtspflege

 

Der Verein ist eine Organisation der freien Straffälligenhilfe. Er unterstützt Gefangene und aus der Haft entlassene Menschen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Zugleich versucht er den Vollzug von Haft zu vermeiden, um ihren schädlichen Folgen zu begegnen. Der Bezirksverein für soziale Rechtspflege wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und ist Mitglied im Badischen Landesverband für soziale Rechtspflege (Link). Landesverband und Bezirksvereine sind nach den Staatsministerialentschließungen, veröffentlicht am 7.5.1887 (Staatsanzeiger S. 137) und am 30.7.1896 (Staatsanzeiger S. 301), Körperschaften des öffentlichen Rechts.

 

Vorstand:

Vorsitzende: Christina Gröbmayr, Rechtsanwältin

Stellvertreterin: Brigitte Kanisch, Sozialarbeiterin, JVA Freiburg

Geschäfts- und Kassenführer: Ulf Köpcke, Rechtsanwalt

Weitere Vorstandsmitglieder:

Doris Oelhaf-Bollin, Dipl. Sozialarbeiterin (FH), Dipl. Pädagogin

Dr. Katharina Oswald, Juristin

Vanessa Roitsch, Sozialarbeiterin, JVA Offenburg

Beiratsmitglieder:

Klaus Hoffmann, Staatsanwaltschaft Offenburg
Lars Petersen, Richter am Landgericht Freiburg
Georg Royen, Vorsitzender Richter am Landgericht Freiburg a.D.

 

 

Konzeption

Seit Gründung der Anlaufstelle geht es um die ständige Fortentwicklung ihrer Konzeption angesichts neuer Herausforderungen von Seiten des sich verändernden Klientels einerseits und der kriminalpolitischen Ausgangslage andererseits. Selbstreflexion, Bedarfsanalyse und Weiterentwicklung findet regelmäßig im Austausch zwischen Vorstands- und Beiratsmitgliedern sowie haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen statt.

 


Finanzierung

Der Bezirksverein finanziert sich im wesentlichen durch:

  • Zuschüsse/Zuwendungen der Stadt Freiburg, des Justizministeriums und des Landesverbandes
  • Zuweisung von Geldbußen durch die Justiz
  • Mitgliedsbeiträgen und Spenden (Beitrittserklärung (PDF)
  • Betreuungspauschalen des Jobcenter Freiburg für AGHs (Arbeitsgelegenheiten) im Arbeitsprojekt
  • Erlöse aus Dienstleistungen des Arbeitsprojekts
  • 90% der Kosten von EinsA werden vom Justizministerium getragen

 

Entstehungsgeschichte

Der Bezirksverein für soziale Rechtspflege Freiburg steht in einer mehr als 150jährigen Tradition der badischen Gefangenenfürsorgevereine. Der 1832 gegründete Bezirksverein Freiburg setzte sich viele Jahre mit seinen damals ausschließlich ehrenamtlichen Helfern für Hafterleichterung, Aus- und Fortbildung der Gefangenen während der Haftzeit ein, bot Beistand bei der Wiedereingliederung und Unterstützung bedürftiger Angehöriger.
Aufgrund von sozialpolitischen Aktivitäten der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre entstand die Idee, den offensichtlichen Schwierigkeiten von Haftentlassenen in dem Zeitraum nach der Entlassung durch eine zentrale Begegnungsstätte („Anlaufstelle“) entgegen zu wirken. 1971 wurde eine Wohnung in der Schwarzwaldstraße angemietet, die vor allem in den Abendstunden als Anlaufstelle diente und die zunächst ausschließlich durch studentische Mitarbeiter in Selbstverwaltung betrieben wurde. Die Gründungsphase der Anlaufstelle wurde im Herbst 1972 mit der Einstellung eines ersten hauptamtlichen Sozialarbeiters abgeschlossen.
Um der ständig steigenden Zahl von „Anläufern“ und deren sich verschärfenden Problemlagen (Wohnungs- und Arbeitsmangel) gerecht zu werden, zeigte sich schnell, dass die Arbeit der Anlaufstelle personell und räumlich erweitert werden musste. Bereits im Oktober 1973 konnte die Anlaufstelle in eine vom Badischen Landesverband für soziale Rechtspflege erworbene 5-Zimmerwohnung in die Goethestraße umziehen, mit zunächst zwei, dann drei Sozialarbeitern. Bei der Tätigkeit der Anlaufstelle standen zunächst unmittelbare Hilfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche sowie in der materiellen Existenzsicherung im Vordergrund. Anfang 1975 wurden weitere Wohneinheiten in der Lehenerstraße angemietet, die als Übergangswohnungen kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten für 5-7 Entlassene schufen. Aber auch der Bereich der weitergehenden Hilfen konnte mehr und mehr ausgebaut werden. Neben der ehrenamtlichen Vorstands- und Beiratstätigkeit stellt der offene Abendbetrieb und die gemeinsame Freizeitgestaltung seit der Gründung der Anlaufstelle das hauptsächliche Tätigkeitsfeld der ehrenamtlichen Mitarbeiter dar.
Ende 1981 zog die Anlaufstelle in das ehemalige Gasthaus „Zum Sternen“ in der Brombergstraße, ein dreigeschossiges Gebäude für Aufenthalts- und Büroräume und ein Hinterhaus mit fünf Zimmern zum Übergangswohnen für 5-7 Entlassene bzw. Beurlaubte. Die letzten 20 Jahre standen unter dem Zeichen einer konzeptionellen Weiterentwicklung und Professionalisierung der Arbeit der Anlaufstelle. Die Zunahme sozialer Probleme (steigende Wohnungsnot und Arbeitslosenzahlen), Sucht, massiver Persönlichkeitsstörungen und die zunehmende Mehrfachbelastung der Klienten stellen immer höhere Anforderungen an die fachliche Qualifikation und den persönlichen Einsatz der MitarbeiterInnen. 1993 - einer Zeit sehr hoher Wohnraummieten - konnte der Verein mit Unterstützung der Stadt und der Siedlungsgesellschaft günstige Zweizimmerwohnungen anmieten und damit das Angebot in den Wohnbereichen mehr als verdoppeln. Heute verfügt die Anlaufstelle über ca. 22 betreute Wohnplätze.

1985 wurde das Angebot der Anlaufstelle um ein Arbeitsprojekt erweitert. Arbeitslose Haftentlassene sollten damit - sozialpädagogisch betreut - Arbeitsmöglichkeiten erhalten, um ihre Fertigkeiten und Kompetenzen auf- bzw. auszubauen und sie damit wieder für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Gelang dies anfangs noch, zeigte sich im Verlauf der letzten Jahre, dass dieses Ziel immer weniger erreicht werden konnte. Ursächlich hierfür waren zum einen die wirtschaftliche Rezession und zum anderen die unzureichende berufliche Qualifikation vor dem Hintergrund zunehmender Sucht- und Persönlichkeitsprobleme der Klienten. Dieser Veränderung wurde 2009 dadurch Rechnung getragen, dass nunmehr die Schaffung einer Tagesstruktur und Vermittlung grundsätzlicher Arbeitstugenden in den Vordergrund traten. Die Anzahl der Beschäftigungsplätze und die Betreuung sind in den letzten Jahren an diese Veränderungen und an den steigenden Bedarf angepasst worden. Von anfänglich 4 bis 5 Beschäftigungsplätzen werden heute bis zu 15 langzeitarbeitslose Haftentlassene unter Anleitung von 3 hauptamtlichen Mitarbeitern im Arbeitsprojekt beschäftigt.

2007 wurde der Bezirksverein mit EinsAEinsatzvermittlung gemeinnützige Arbeit Freiburg“ um einen weiteren Tätigkeitsbereich erweitert, der unter dem Dach des aus den beiden Landesverbänden der freien Straffälligenhilfe und dem Paritätischen Wohlfahrtverband gebildeten Netzwerks gegründet wurde. EinsA vermittelt mit zwei neu eingestellten Sozialarbeiterinnen und einer Verwaltungskraft zahlungsunfähige Schuldner, die zu einer Geldstrafe verurteilt wurden, zur Vermeidung des Vollzugs der ansonsten fälligen Ersatzfreiheitsstrafe oder mit einer entsprechenden gerichtlichen Weisung versehene Verurteilte in gemeinnützige Arbeit.